25. August 2015   Aktuell

Befristung und Leiharbeit stoppen: Das muss drin sein!

Die Arbeitgeber erzählen das Märchen, dass Befristungen eine Chance für junge Menschen seien. Für viele junge Leute sind sie eher eine bleierne Kugel, die sie daran hindert ihre Zukunft planen zu können, kein Sprungbrett. Nur weniger als ein Drittel der befristet Beschäftigten wird irgendwann übernommen. Jede zweite Neueinstellung ist heute befristet. Die Befristerei hat vor allem einen Sinn: Einseitige Flexibilität der Unternehmen auf Kosten der Beschäftigten durchzusetzen und sie durch die Angst vor Jobverlust erpressbar zu machen.Die vielen befristeten NachwuchswissenschaftlerInnen, ErzieherInnen, VerkäuferInnen und PflegerInnen können ein Lied davon singen. Sie wollen Arbeiten ohne Dauerstress und Angst, eine planbare Zukunft. Das muss drin sein.

Sommer, Sonne, Urlaubszeit? Für viele Lehrerinnen und Lehrer beginnt der Start in den Sommer trostlos mit dem Gang zur Arbeitsagentur. Viele Schulen stellen Lehrer in 10-Monates-Verträgen ein und entlassen sie über die Sommerferien. Berufseinsteiger trifft es noch härter, da sie oftmals nicht lange genug beschäftigt waren, um Arbeitslosengeld II zu erhalten. Sie landen bei Hartz IV. Im August 2014 stieg die Zahl arbeitslos gemeldeter Lehrer sprunghaft von 6.104 auf 11.144 an – um im September wieder auf 6.045 zu sinken, wie eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag ergab.

Doch Lehrer sind nicht die einzige Berufsgruppe, die mit Befristungen und skandalösen Beschäftigungspraxen zu kämpfen haben. Fast jede zweite Neueinstellung wird mittlerweile befristet eingestellt, bei den Frauen sind es sogar noch mehr. In den letzten 20 Jahren hat sich der Anteil befristeter Stellen verdreifacht. Die am stärksten von Befristung betroffenen Berufsgruppen finden sich im Gesundheits- und Sozialwesen, in der öffentlichen Verwaltung und im Erziehungsbereich. Doch auch der Einzelhandel, das Bau- und Gastgewerbe sind stark betroffen. So unterschiedlich die Lebensrealitäten von Kellnern, Kita-Erzieherinnen, Krankenpflegerinnen, Metallarbeitern, Bauarbeiterinnen und Verkäufern auch sind – ihre Berufsaussichten und die damit verbundenen Probleme sind ähnlich. Wer sich immer von Vertrag zu Vertrag hangelt, muss Abstriche bei der Lebensplanung machen: Eine Familie gründen, auf längere Sicht planen, sich einen Urlaub gönnen: Fehlanzeige. Unsicherheit, Zukunftsängste und häufig auch Geldnöte prägen den Alltag.

Befristete Arbeitsverträge sind nicht einfach ein Einstieg in unbefristete Beschäftigung, wie eine verlängerte (illegale) Probezeit: Gerade mal jeder dritte befristete Vertrag wird in einen unbefristeten umgewandelt. Viele warten jahrelang in einer Warteschleife aus Kettenbefristungen. Fälle wie der der Grundschullehrerin Marie Luise J. sind keine Seltenheit: Ganze 14 Mal hatte sie vom Land Hessen einen befristeten Arbeitsvertrag erhalten. Beim Arbeitsgericht klagte sie daraufhin erfolgreich auf Festanstellung. 2012 wurden im Erziehungsbereich 76% Neueingestellte befristet und nur 18% davon übernommen. In der öffentlichen Verwaltung waren es bei 60% befristeten Neueinstellungen 28% übernommene.

Besonders Berufseinsteiger haben mit „prekären“, also unsicheren Arbeitsverhältnissen zu kämpfen. Ein besonders geschicktes Instrument, Löhne zu sparen und den Kündigungsschutz zu umgehen, ist der Einsatz von Leiharbeit und Werkverträgen. Leiharbeiter verdienen gerade mal halb so viel wie Beschäftigte mit regulären Vollzeitstellen (DGB-Studie). Viele müssen ergänzende Sozialleistungen beantragen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Noch weniger verdienen Beschäftigte mit Werkverträgen: Für sie gelten viele gesetzliche Vorschriften und Tarifvereinbarungen gar nicht und sie sind deshalb in hohem Maße erpressbar. Viele brauchen zwei oder mehr Jobs, um überhaupt die Miete zahlen zu können – das Resultat ist Erschöpfung, Überarbeitung, (psychischer) Stress.

In einem reichen Land wie Deutschland muss eine planbare, sichere Zukunft selbstverständlich sein. Dass sich kämpfen lohnt, zeigt das Beispiel Mindestlohn: nachdem LINKE und Gewerkschaften das Thema jahrelang immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt haben, wurde es 2013 endlich Teil des Koalitionsvertrages. Das zeigt: Druck von unten wirkt! Leiharbeit und Befristung muss der Kampf angesagt werden. Sie sind herzlich eingeladen: machen Sie mit, machen Sie Druck. Damit selbstverständliches wieder selbstverständlich wird. Das muss drin sein!

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