17. August 2011   Aktuell

Neue Oberschule löst Probleme an Niedersachsens Schulen nicht

Hannover. Anlässlich des morgigen Schuljahresbeginns hat DIE LINKE im Landtag die Schulpolitik der Landesregierung kritisiert. Auch im neuen Schuljahr bleibe fast alles beim Alten, nennenswerte Verbesserungen gebe es nicht. „Auch die neue Oberschule löst keines der Probleme an den Schulen in Niedersachsen“ sagte Christa Reichwaldt, die bildungspolitische Sprecher der LINKEN Landtagsfraktion. Die Oberschule verbleibt im gegliederten Schulsystem und in der damit verbundenen sozialen Ungerechtigkeit. Die Schüler würden im Alter von zehn Jahren „sortiert“ und so unterschiedlichen Bildungschancen zugeteilt. „Dabei ist es den Eltern eigentlich wichtig, dass die Bildungswege ihrer Kinder so lange wie möglich offen gehalten werden. Diese Durchlässigkeit bietet die Oberschule nicht, weil man an ihr kein Abitur machen kann“, so Reichwaldt. Diese Sortierung korrespondiere stark mit den Einkommen der Eltern: Nur vier Prozent der Gymnasiasten stammen aus Hartz-IV-Familien, an Realschulen sind es 14 Prozent, an Hauptschulen 29 Prozent und an Förderschulen sogar 44 Prozent. „Mit der Oberschule, die de facto eine Unterschule ist, zementiert der Kultusminister auch die soziale Schere an unseren Schulen“, sagte Reichwaldt. Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Schere noch etwas weiter aufgegangen, wie eine Anfrage der Linksfraktion an die Landesregierung gezeigt habe.

Außerdem verschleppe Kultusminister Bernd Althusmann die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. „Die kommenden Fortbildungsangebote sind zu dünn und zu zaghaft. Wir brauchen klare Schritte für mehr inklusiven Unterricht. In Niedersachsen werden laut Reichwaldt immer noch 90 Prozent der Kinder mit Förderbedarf auf die Förderschulen abgeschoben. „Die Inklusionsquote muss steigen“, betonte Reichwaldt. Ferner kritisierte sie, dass der Minister auch bei der Organisation des Ganztagsbetriebs an Schulen nicht vorankomme. „Die Schulen brauchen dringend mehr Geld, damit die Ganztagskräfte mit ihren neuen Arbeitsverträgen gehalten werden können“, sagte Reichwaldt.