12. Januar 2015   Aktuell

Offener Brief an die Sprecher des Bündnisses gegen Rechtsextremismus Wolfenbüttel

Liebe Sabine Resch-Hoppstock, lieber Michael Sandte,

mit Unverständnis haben wir zur Kenntnis genommen, dass die Sprecher des Wolfenbütteler Bündnisses gegen Rechtsextremismus im Namen des gesamten Bündnisses (also auch im Namen der Wolfenbütteler LINKEN) für den 19. Januar nicht zu den Demonstrationen gegen den Aufmarsch des sich „BRAGIDA“ nennenden PEGIDA-Ablegers in Braunschweig mobilisieren, sondern einen “Abend der Begegnung” in der KUBA-Halle bewerben, der von Sabine Resch-Hoppstock in einer Pressemitteilung ausdrücklich als Gegenveranstaltung zu den Demonstrationen in Braunschweig beschrieben wird.

Uns stört daran nicht die inhaltliche Konzeption der Veranstaltung – solche interkulturellen Abende können durchaus zu einem besseren Miteinander und einem fruchtbarem Austausch beitragen. Uns stört, dass ein solcher Abend auf einen Termin gelegt wird, an dem alle antifaschistischen Kräfte vor Ort Einigkeit demonstrieren sollten, um zu zeigen, dass für rassistische Stimmungsmache auch in unserer Region kein Platz ist. Eine interkulturelle Dialogveranstaltung hätte auch am Samstag danach (wahrscheinlich mit mehr Resonanz) oder auch am gleichen Abend zu späterer Zeit stattfinden können.

Für uns bedeutet das derzeitige Vorgehen in der praktischen Konsequenz ganz klar eine Schwächung der vorhandenen Gegenpotentiale durch faktische Spaltung. Die Allermeisten von uns werden an dem Montag nach Braunschweig fahren, während andere zerissen sind und sich schwer entscheiden können. Vor dem Hintergrund, dass wir mit unserer Kritik anscheinend nicht alleine stehen (aus verschiedenen Richtungen dringen auch an uns weitere Stimmen der Unzufriedenheit), möchten wir deshalb vorschlagen, den Veranstaltungsbeginn auf 20:00 Uhr zu verschieben und die Veranstaltung als Zusatzangebot für den Zeitraum nach den Demonstrationen zu bewerben. Alternativ könnte man den Termin auch auf ein Wochenende verschieben. Erste Priorität für uns als Mitglieder im Bündnis und engagierte Wolfenbütteler Antifaschisten hat, dass der negative Effekt einer Aufspaltung von Kräften verhindert wird.

Des Weiteren regen wir an, dass in diesem Jahr unabhängig von konkreten Terminen eine Generalversammlung des Bündnisses stattfindet, zu der Vertreter aller Mitgliedsorganisationen öffentlich eingeladen werden. An dieser Stelle sollte dann u.a. über partizipative Modi der Entscheidungsfindung in dringenden Fällen beraten werden, um künftige Irritationen zu vermeiden. Vorerst mobilisieren wir als Kreisverband – aber auch als Teil des Bündnisses – für den 19. Januar nur nach Braunschweig.

Mit freundlichen Grüßen
der Kreisvorstand der LINKEN Wolfenbüttel

Florian Röpke
Nadja Frick
Arnfred Stoppok
André Owczarek
Michael Leukert
Claudia Rothberger